Einsamer Weg

Keiner da, niemand.
Nur ich allein.
So gehe ich den Weg entlang
und schaue in den Wald hinein.

Leere in mir, auch um mich herum.
Die Welt ist so traurig, ihr Rücken so krumm.

Fremde Gestalten über den Ästen,
schwingen mit den Armen,
winken heran,
blicken mit stechenden Augen mich an.
Berichten vom Tod, vom Leben nebenan,
verstehe kein Wort, keinen Laut, keinen Ton.
Da kreischt einer – laut,
wie durch ein Megaphon!

Obwohl ich allein, kein Mensch weit und breit,
die Natur ist noch da, teilt mit mir das Leid.
Der Igel, der Iltis, der Dachs, der Fuchs,
der Biber, der Hirsch, der Wolf, der Luchs
wandeln durchs Dickicht, über Holz und Stein;
Pflanzen und Bäume, natürliches Sein.

Lebendig, erfüllend, erhellend sogar;
Alleinsein heißt nicht, man ist gar nicht mehr da.

Von innen nach außen,
vom Herzen her draußen,
solange es pocht,
solange ich geh,
mit beiden Beinen im Leben ich steh.

Spüre den Boden, spüre den Wind,
höre die Vögel, einsames Kind,
erkenne den Sinn, erkenne das Leben,
so kannst du dem Licht entgegenstreben,
in Stille,
allein,
in Einsamkeit –
das Leben hält so schöne Momente bereit.

Entscheidend:
entschieden, entschlossen sein,
dann sei dir das Glück kein Klotz am Bein,
dann sei dir das Glück bewegend – allein.


Text: Christoph Krelle
Grafik: Hellmut Martensen

Erschienen im Katalog »Einblicke – Von der Fläche in den Raum« zur gleichnamigen Ausstellung des Grafikers Hellmut Martensen